Outreach

Während des Elbehochwassers 2013 wurden die sozialen Medien dafür genutzt, freiwillige Helfer dorthin zu dirigieren, wo sie benötigt wertden. Outreach ist ein Konzept um crowd-basierte Hilfsdienste besser und leichter koordinieren zu können.

  • 2014
  • Konzept, Interface Design, Animation, Testing
  • Studium / Master
  • Sketch, After Effects, Illustrator

Projekthintergrund

Die App Outreach ist die Abschluss-Arbeit meines Master-Studiums und wurde inspiriert durch die vielen spontanen Facebook-Seiten und Crowdsourcing-Karten während der schweren Hochwasser im Sommer 2013. Die sozialen Medien wurden dafür genutzt das freiwillige Engagement der Bevölkerung zu sammeln und zu koordinieren. Betroffene konnten Hilfsgesuche an die Admins schicken, die es wiederum veröffentlichten. Google Maps wurde genutzt um Überschwemmungsgebiete darzustellen und POI auszuweisen.

Herausforderungen

Insgesamt zwei Semester standen für dieses Projekt zur Verfügung. Das Wintersemester 2013 wurde für Recherche und die Grundlage der theoretischen Hausarbeit genutzt. Das zweite Semester war für die Gestaltung der Idee vorgesehen.

Meine Recherche-Phase sollte Ansichten aller drei Parteien berücksichtigen um eine umfassende Analyse erstellen zu können. Leider stellte sich heraus, dass Institutionen wie das THW nicht sehr gesprächsbereit waren und verwiesen stattdessen auf ihre offiziellen Pressemitteilungen.

Designprozess

Ist-Szenario

Auskunftsbereiter zeigten sich hingegen Moderatoren von Facebook-Seiten wie “Fluthilfe Dresden”. Dadurch bekam ich einen Eindruck davon, was diese Leute über Wochen ehrenamtlich an Zeit investierten und wie sehr sie selbst von der riesigen Hilfsbereitschaft überwältigt waren. Neben Interviews waren auch journalistische Beiträge jeglicher Art eine gute Quelle um Wissen über die Gegenmaßnahmen während eines Hochwasser und die Arbeit des THW und Feuerwehr einzuholen. Im Nachgang des Hochwassers gab es auch einige Publikationen und Analysen, die sich kritisch mit der Organisation im Führungsstab beschäftigten und auch das freiwillige Engagement der Bevölkerung analysierte. So konnte ich einen guten Eindruck des Ist-Szenarios gewinnen.

Beispiel Facebook
Admins posteten Hilfsgesuche auf Facebook

Nutzungsszenario

Points of Interest und Hilfsgesuche werden auf eine Karte dargestellt, die durch Informationen aus dem Lagezentrum ergänzt werden. Im Sommer 2013 gab es auch viel Kritik darüber wie unzureichend Informationen aufbereitet und über die Medien verbreitet wurden. Dieses Manko wollte ich mit der App ebenfalls gestalterisch lösen.

Eines der Learnings aus dem Sommer 2013 sollte sein, dass die professionellen Helfer (THW, Feuerwehr) in die Organisation mit einbezogen werden sollten, um die Steuerung effizienter zu gestalten. Die Hoheit und die Gesamtübersicht liegen ebenfalls bei den offiziellen Organen.

Storyboard
Storyboard für die Nutzung der App aus zwei Perspektiven

Interaction Design

Zentrales Element, über welches die meisten Aktionen laufen, ist die Karte. Sie ist die Informationszentrale für die grafische Darstellung des Hochwasserstandes und gesperrte Straßen. Zugleich ist sie auch die Begegnungsstätte der Hilfesuchenden und Helfer. Die verschiedenen Kategorien lassen sich über das Menü einblenden und erscheinen als Symbol auf der Karte.

Ebenfalls auf der Karte werden die Informationen angezeigt ob in der Nachbarschaft jemand Unterstützung sucht, sowie die Möglichkeit selber aktiv nach Unterstützern suchen zu können.

Wireframes
Wireframes der App

Visual Design

Das visuelle der App sollte dezent im Hintergrund agieren, da von der Kernfunktion, die Karte, nicht abgelenkt werden sollte. Während der Konzeption habe ich die vier Hauptelement definiert, die die Leute anbieten oder suchen können. Das sind “Hilfe, Unterkunft, Verpflegung und Haustierunterkunft”. Die dafür notwenigen Icons wurden als Outline angelegt, die sich bei Aktivierung füllen.

Icons

Logo

Da es sich bei der App um Hilfsgesuche und -angebote handelt, fand ich das Element der wehenden Fahne seht passend. Das ist es, woraus sich die Idee dieser App entwickelt hat und so erschien es mit logisch, diese in das Logo aufzunehmen. Der Name kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie “Reichweite” und “erreichen”, was gut zu meinem Konzept passt.

Logos

Finales Produkt

Nach zwei Semestern intensiver Arbeit, ist ein deutlich umfangreicheres Konzept entstanden, als die erste Projektskizze vor sah. Das ursprüngliche Thema (Koordination freiwilliger Nachbarschaftshilfe) ist auch im finalen Produkt das Mainfeature, jedoch sind einige weitere Funktionen durch die Recherche hinzugekommen. Die App könnte zum Beispiel dazu dienen, gezielt Bürger*innen in Quartier darüber zu informieren, dass sie sich auf eine Evakuierung vorbereiten müssen. Es könnte ebenfalls ein Informationskanal sein, um die Eigensicherung seines Hauses zu demonstrieren. Vor allem sollte es aber eine App sein, mit der man schnell engagierte Leute koordinieren kann um Schäden im Notfall so gering wie möglich zu halten.

Finales Produkt

Learnings

Meine Masterarbeit, mit dem Ziel ein Konzept einer Plattform für crowd-basierte Nachbarschaftshilfe zu entwerfen, war sehr ambitioniert und bedurfte einer umfangreichen Einarbeitung in die Materie. Während dieser zwei Semester habe ich mir Hintergrundwissen zur Katastrophenbewältigung aneignet, viel über Usability und digitale Interfaces gelernt, meine Kompetenzen in Prototyping erweitert und Blockaden überwunden um Interviews mit fremden Personen zu führen. Das wichtigste Learning war für mich aber, dass es sich lohnt intensiv mit der Materie zu beschäftigen, um ein gutes Nutzungsszenario zu entwickeln.